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CARE – Österreich: Gesundheitsprojekt in der AFAR Region

Die nomadisierende Bevölkerung in der Afar-Region im Nordosten Äthiopiens wird auf ca. 1,3 Millionen Menschen geschätzt. Entgegen internationalen Trends gibt es in der Afar-Region weniger Frauen als Männer, darin spiegeln sich die unvergleichlich schwierigeren Lebensbedingungen der Frauen im Gegensatz zu denen der Männer. Die Afar leben fast ausschließlich von der Milch ihrer Tiere (Kamele, Ziegen, Kühe), die Frauen übernehmen das Melken, die Verarbeitung der Milch, die Kinderbetreuung, holen Wasser, bauen die Hütten etc. Ihre Arbeitsbelastung ist enorm hoch. Die meisten Mädchen heiraten mit 16 und bekommen auch sehr früh ihre ersten Kind, eine Frau hat zwischen 5 bis 10 Kinder in ihrem Leben - es gibt keine Zahlen über die Häufigkeit von Fehlgeburten, aber sie wird hoch eingeschätzt. Laut dem Bericht über menschliche Entwicklung 2000 stirbt in Äthiopien jedes 17. von 1.000 Kindern vor dem Erreichen des 5. Lebensjahrs.


Aus dem Alltag der Afar – Nomaden, Fotos: Stefan Pleger - CARE

Bedingt durch ihre Lebensweise ist die medizinische Versorgung vor allem von Frauen und Kindern schwierig. CARE arbeitet seit 1996 in dieser Region um durch Schulungen der traditionellen Hebammen und Ausbildung von Sanitätern diese Unterversorgung zu mindern. Themen der Trainings sind vor allem Geburtshilfe, Versorgung von Mutter und Kind nach der Geburt, aber auch Behandlung von Malaria oder Durchfallerkrankungen. Verstärkt werden auch die bereiche Familienplanung und HIV/AIDS – Vorbeugung behandelt. (MDGs 1, 3, 4, 5, 6)

Eine umfassende Informationscampagne gegen die traditionelle Praxis der Genitalbeschneidung hat bereits zu großen Erfolgen in Äthiopien geführt.

Am 17. Dezember 2003 wurde bei einer dreitägigen Versammlung (Schlussdokument der Versammlung siehe Kasten unten) der 76 höchsten religiösen Würdenträger der Afar ein Zusammenhang von Selot („Genitalbschneidung“) und dem Koran ausgeschlossen und eine öffentliche Weisung gegen die brutale Beschneidung von Mädchen ausgesprochen.

To all Afar people and friends of the Afar people

We clan leaders of the Debne and We-ima clans; elders from 70 villages of Awash-Fentale and Amibara districts; religious leaders from the regional government, zone tree administration and from Awash-Fentale and Amibara districts; representatives of government offices from zone three and Awash-Fentale and Amibara districts;

We have understood the harmful effects and the injury female genital cutting is exerting on our communities at the end of the three days public symposium organized in collaboration with CARE Ethiopia Afar Health Program From December 15–17, 2003;

We recognized that the practice has no any kind of benefit except terrible damages and destruction on our women and girls. After a thorough discussion we recognize and agreed on the following major points;

  1. Selot (female genital cutting) is not supported by our religion;
  2. Selot is in contradiction with human rights;
  3. Selot is brutal and in-human tradition;
  4. Selot has severe health complications on our women and children;
  5. These days selot tradition could be one way of HIV/AIDS transmission as several girls being cut at the same time with one cutting instrument;
  6. Selot is one of the development stumbling blocks to our community;

Therefore, we all participants of the public symposium and our names listed and attached herewith, have agreed and decided to stop this harmful traditional practice. We also pledge to struggle for the practicality of our decision.

We, participants of the symposium, would like to extend our sincere gratitude to CARE Ethiopia for its effort in helping us to fight against the practice and we assure our all rounded support to the organization in the future.

Finally, we appeal to the Federal Government of Ethiopia; the Afar Regional Government; our Afar brothers living in the region; governmental and nongovernmental organizations; local and international agencies to support our effort in the fight against selot (female genital cutting).

We thank you!

December 17, 2003

Von diesen Erfolgen gestärkt wird CARE die Aufklärung und Schulung von Hebammen in diesem Bereich fortsetzen. Die Hebammen, die Zugang zu sehr vielen Dorfgemeinschaften haben, thematisieren weiterhin die enormen gesundheitlichen Risiken der Genitalverstümmelung und weisen auf den Beschluss der höchsten Würdenträger hin.

Das Projekt beschränkt sich auf ungefähr 90 temporäre Dörfer der Afar-Region mit insgesamt zwischen 50.000 und 55.000 Menschen


Aufklärungsarbeit durch geschulte MitarbeiterInnen und Hebammen, Fotos: Marco Longari - CARE

Weibliche Genitalverstümmelung - FGC (Female Genital Cutting)

Zahlen & Fakten

  • Weltweit sind 85 - 115 Millionen Mädchen und Frauen von einer Beschneidung betroffen.
  • Bis zu 2 Millionen Mädchen sind jährlich von einer Beschneidung gefährdet.
  • In der Afar-Region sind 95 % aller Frauen beschnitten.
  • Die meisten Mädchen werden im Alter zwischen 8 und 16 beschnitten.
  • Die Sterberate liegt bei der schwersten Form der Verstümmelung (sg. Infibulation) bei 30%.

FGC als fixer Bestandteil einer Kultur

Für Dr. Mehra, WHO-Mitarbeiter, ist FGC „deeply rooted traditional practice that adversely affects the health of girls and women." FGC wird auf allen gesellschaftlichen und sozialen Ebenen durchgeführt – von der Elite, den Intellektuellen über die berufstätigen Schichten bis zur einfachsten Bauernfamilie. Betroffene Länder sind u.a. Ägypten Burkina Faso, Äthiopien, Kenia, Senegal, Uganda und Tansania.
Die am häufigsten genannte Antwort auf die Frage nach dem Grund von FGC lautet, es handle sich um einen Brauch, der von Generation zu Generation weitergegeben wird. Die Strafe für bei Weigerung ist Ächtung, Isolation und Existenzbedrohung.
Religiöse Argumente stimmen nicht, nirgendwo im Koran wird die Beschneidung von Frauen vorgeschrieben.
Die Vereinten Nationen verurteilen die weibliche Genitalverstümmelung, 1979 wurde sie sogenannte "Frauenkonvention" (CEDAW) erstellt - "The Convention on the Elimination of all Forms of Discrimination against Women", auch Äthiopien hat diese Dokument unterzeichnet.
Es gibt zwar in einigen Ländern Gesetze, die FGC verbieten, doch werden sie oft nicht eingehalten und eingefordert. Grund dafür ist, dass die Menschen fest davon überzeugt, dass die Beschneidung gut und notwendig für das Wohlergehen ihrer Kindes ist.

Um die Beschneidung von Frauen zu verhindern, muss man verstehen, aus welchen Motiven, Einstellungen und Vorurteilen die Afar-Angehörige sie praktizieren; es besteht die Meinung, dass

  • nur eine unbeschnittene Frau ein sexuell ausschweifendes Leben führen kann,
  • Frauen durch die Beschneidung gereinigt werden müssen,
  • nur durch die Beschneidung die Jungfräulichkeit der Frauen bis zur Hochzeit garantiert werden kann,
  • ein Mädchen erst durch die Beschneidung zur einer „würdigen“ und heiratsfähigen Frau wird,
  • Beschneidungen die Mütter- und Kindersterblichkeit verhindert,
  • die Beschneidung eine heilige Handlung ist.

Infibulation – die schwerste Form der Beschneidung

In der Afar-Region wird die sogenannte "pharaonische Beschneidung", auch Infibulation genannt, die schwerste Form aller Bescheidungsmethoden praktiziert: Entfernung der Klitoris und der inneren Schamlippen sowie der inneren Schichten der äußeren Schamlippen. Die übriggebliebenen äußeren Schamlippen werden dann mit Tierdarm zusammengenäht oder mit Dornen aneinander befestigt. Die Wunde wird so zusammengenäht, dass die verbleibende Haut der äußeren Schamlippen zusammenwächst und eine Brücke aus Narbengewebe über die vaginale Öffnung bildet. Ein kleines Holzstückchen wird in die Vagina eingeführt, um einen vollständigen Verschluss zu verhindern, damit eine kleine Öffnung für den Abfluß von Urin und Menstruationsblut bleibt.

Die Beschneidungen werden vor allem von Hebammen und Wahrsagerinnen, aber auch von männlichen Priester durchgeführt. Zu den Operationsinstrumenten gehören Rasierklingen, Scheren, Küchenmesser, Glasscherben. Antiseptische Techniken und Betäubungsmittel werden allgemein nicht angewendet.

In den Städten wird die Prozedur, vor allem bei der Elite, von Ärzten, ausgebildete Krankenschwestern oder Hebammen unter klinikähnlichen Bedingungen durchgeführt, steril und unter Verwendung von Betäubungsmittel.

Statistiken weisen darauf hin, dass die Prozeduren in immer früherem Alter der Mädchen durchgeführt werden, da sie „leichter Hand zu haben sind, wenn sie zu klein sind, um sich heftig zu wehren“. Im Sudan, zum Beispiel, werden Mädchen im Alter von 4 bis 8 Jahren beschnitten.

Folgen der weiblichen Genitalverstümmelung

Die Folgen sind vielseitig, abgesehen von den körperlichen Komplikationen leiden die Mädchen und Frauen auch an den psychischen Auswirkungen der Beschneidung. Die Beschneidung führt bei den Mädchen zu extremen Angstzuständen. Für die Frauen wird Gechlechtsverkehr und Geburt zum immer wiederkehrenden traumatischen Erlebnis, die vernarbte Scheide muss zur Geburt eines Kindes (oft auch zum Geschlechtsverkehr) wieder geöffnet werden.

Physisch gesehen kommt es bei der Beschneidung zu sehr starken Blutungen und in der Folge oft zu Entzündungen, Fisteln und Geschwüren. Tetanus, Schmerzen bei Urinieren und bei der Menstruation, Unfruchtbarkeit sind nur einige weitere Nachwirkungen. Die HIV-Infektionsrate ist ebenfalls sehr hoch.

Die zentrale Rolle der Hebammen

Die Hebammen stehen den Frauen bei Geburt und Geschlechtsverkehr bei, sie öffnen die Scheide der Schwangeren und vernähen sie wieder, etc. Da Beschneidung hohes Prestige in der Gesellschaft hat, wird die Hebamme für Beschneidungen bezahlt. Dennoch sobald Hebammen die gesundheitlichen Schwierigkeiten der Frauen als Folgen der Beschneidung identifizieren können, geben sie die Praxis meist auf - das Projekt versucht die Gesellschaft für die wichtige Funktion der Hebamme als Geburtshelferin zu sensibilisieren, diese Funktion sollte eigentlich entschädigt werden.

Weibliche Genitalverstümmelung

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